Mit dem Thema beschäftigen wir uns gar nicht

Mit dem Thema beschäftigen wir uns gar nicht
Artikel vom 3. April 2025
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Der 1. FC Penzberg hat nur drei Punkte Rückstand auf den Aufstiegsrelegationsplatz. Mit der Landesliga scheint sich aber keiner zu beschäftigen.
Wer die Vereinsseite des 1. FC Penzberg im Fachportal „Fupa“ sehr genau scannt, findet in der Chronik des Klubs den herrlich aberwitzigen Hinweis auf die Saison 1955/56. In der trat der FCP doch tatsächlich in der Zweiten Liga Süd an und traf auf Vereine wie den FC Bayern oder Waldhof Mannheim. Nach der Landesliga sucht man in der Auflistung früherer Heldentaten vergeblich. „Ich weiß gar nicht, wann wir da zuletzt waren“, sagt Josef Siegert, seines Zeichens Ex-Spieler, Klublegende und damit auch Teil der illustren Penzberger Fußball Historie.
Über 30 Jahre ist es auf jeden Fall her, seit die FC-ler in einer Klasse mit dem Namen Landesliga kickten. „Für den Verein wäre das eine absolut tolle Geschichte, wenn wir da aufstoßen könnten“, sagt der Sepp. Urplötzlich befindet sich die Mannschaft im Rennen um den Relegationsplatz in der Bezirksliga Süd.
Landesliga-Aufstieg? „Ich weiß, wo wir herkommen“
Nun haben sich die Fußballer der Stadt selbst ein Schweigegelübde auferlegt. Über so etwas Sakrosanktes wie das Thema Aufstieg wird nicht öffentlich gesprochen – und Siegert versichert: auch nicht intern. „Mit dem Thema beschäftigen wir uns gar nicht. Ich weiß, wo wir herkommen.“
Die finsteren Tage dieser Saison erlebte Siegert noch als Zuschauer. Am 24. Oktober zu nächtlicher Stunde entließ der FCP Trainer Wolfgang Krebs nach einer Serie an enttäuschenden Auftritten. „Ich war erschrocken über den Zustand. Wir haben im Sommer eine Mannschaft übergeben, die top in Schuss war. Das hat mir zu denken gegeben“, sagt Siegert über die damaligen Verhältnisse.
Duo Maximilian Bauer/Sepp Siegert funktioniert
Einen Winter hat es gedauert, die Wunden zu schließen, den Geist zu glätten. Dafür brauchte es keine heilenden Hände, sondern lediglich die richtigen Trainer. Was sie insgeheim schon voriges Jahr nach einer famosen Rückserie samt drittem Platz wussten, bestätigte sich: Das Duo aus Sepp Siegert, dem Lehrer alter Schule, und Maximilian Bauer, dem Vertreter der neuen Lehre, verfängt bei diesem Team. Die Anfänge ihrer Beziehung reichen 15 Jahre zurück.
Erstmals sei ihm der Maxi bei einem Spiel der Bayern-Jugend aufgefallen. Im Jahr darauf kickte Bauer gemeinsam mit Siegerts Sohn in Unterhaching. „Wir haben uns immer schon gut verstanden“, sagt der 56-Jährige. Den Altersunterschied von 27 Jahren hält Siegert für eine gute Sache. „Ich kenne den Verein und ganz viele Spieler aus Kinderschuhen. Der Maxi denkt noch wie ein Spieler. Das ist genau die richtige Mischung.“
Vertrauensverhältnis als Erfolgsformel: „Die vertrauen uns – und wir ihnen auch“
Innerhalb des Teams sind beide hochangesehen. Siegert wegen seiner Vergangenheit, seiner Hingabe für den Verein, seiner ehrlichen, väterlichen Art. An Bauer schätzen sie sein Training, seine Lockerheit, sein Fachwissen. Sobald er an die Taktiktafel tritt, weiß jeder, dass da einer mit mehr Ahnung über Fußball als alle anderen steht.
Als Hauptunterschied zu Vorgänger Wolfgang Krebs machen die Spieler den Umgang der Trainer aus. Siegert drückt es so aus: „Die vertrauen uns – und wir ihnen auch. Und das funktioniert.“ Innerhalb kürzester Zeit schoß die Gute-Laune-Kurve nach oben. Auch weil beide Trainer ihrer Mannschaft klargemacht haben, dass sich schöner und disziplinierter Fußball nicht ausschließen.
Steckt noch viel Potenzial in der Mannschaft.
Sepp Siegert
Seit dieser Erkenntnis eilt der FCP von Sieg zu Sieg, verkürzte den Rückstand zu Platz zwei auf drei Zähler und schwebt im siebten Fußball-Himmel. „Der Haufen ist überragend. Man merkt gar nicht, dass wir viele Verletzte haben“, sagt Sepp Siegert. Ihnen gehen ja sieben Leute ab, die sie vor der Saison als Stammspieler eingeplant hatten, entweder weil sie verletzt oder krank sind – oder aufgehört haben. „Ich hoffe, dass sich keiner mehr wehtut“, sagt der Co-Trainer. Gerade müsse man sie zügeln. Am liebsten würde jeder dreimal trainieren, sagt Siegert. „Die sind alle on Fire.“
Weil das gerade alles so sorgenlos voranschreitet, leben sie weiterhin im Moment. Süße Träume von der Landesliga wirken nur wie Gift, verbieten sich deshalb. Planegg, der Tabellenzweite, habe ein dermaßen leichtes Restprogramm, merkt Sepp Siegert an. „Da ist alles ausgeredet.“ Und was, wenn doch plötzlich die Penzberger in der Relegation stehen und aufsteigen? Dann sind sie trotzdem drauf vorbereitet. Die Gespräche mit den Kickern bezüglich nächster Saison laufen. Viele wollen bleiben. Sepp Siegert sagt: „Ich habe auch eine Klasse höher keine Angst, traue ihnen ganz viel zu. Da steckt noch viel Potenzial in der Mannschaft.“